Dienstag, 3. Februar 2015

Lissabon - ein Traum in alt, Nachts ist es kalt!

Es ist soweit, Freunde der moderaten Spieleabende,

ich habe endlich unsere Urlaubsbilder bekommen und einen Teil ausgesucht um einen L-spezifischen-mini-Stadtführer zusammenzustellen (sollte es euch aus Gründen des Geldüberschusses oder ähnlichem in den Sinn kommen spontan verreisen zu wollen... Falls nicht, Pech gehabt, dann dürft ihr eben neidvoll in meinen Erinnerungen schwelgen..oder so) Das ganze wird in drei Teile aufgeteilt (ich altes Organisationsgenie!) weil ich, nachdem wir unsere Kamera nach einem Harten Kampf an die Portugiesen verloren haben (dazu im nächsten Teil mehr!), in einem Anflug von Panik alles was mir in den Weg kam fotografiert habe (weshalb ich nun eine hübsche Reihe an Fußboden-, Toilettenschüssel-, Hand-, Tier-, Müllberge- und Brunnenfotos besitze, die kein Mensch sehen will, aber hauptsache fotografiert!).

Heute Teil I - Lissabon (oder der illegale Chinese)

  

1) Lissabon ist alt. Und nicht dass hier alle Gefühlsgunther sagen "ooh Altstadt, hach wie schön!" nein Kinder, es ist größtenteils wirklich alt und kaputt (sehen wir den Tatsachen doch mal ins Auge!). 
Mein Kumpel meint das wäre der Charme der Stadt, na er wirds schon wissen. 
An modernen Gebäuden findet man nicht viel, genauso wenig wie Gehwege ohne abgelaufenem Kopfsteinpflaster. High-Heels sind also eher schlecht (nicht dass ich sowas je tragen würde), ebenso wie Schuhe ohne richtiger Sohle. Glaubt mir Kinder, ich bin nicht nur einmal eine komplette Straße in Ballerinas runter gerutscht. Sah bestimmt lustig aus, wars aber nicht.


2) Aber um mal die Lovelara rauszuhängen: wenn man erstmal über solche Lappalien hinwegsieht, ist es wirklich wunderschön. 
Das wohl coolste überhaupt sind die Bewohner Lissabons. Ich glaube im Vergleich zu Lissabon sieht Berlin wirklich alt aus, was verschiedene Nationalitäten angeht. Hier trifft man nämlich alle: Deutsche, Österreicher, Schweizer, Inder, Chinesen, Italiener, Afrikaner, Kanadier, Holländer, Amerikaner.. Es ist ein riesiges Durcheinander an Sprachen und Hautfarben und alle leben total harmonisch zusammen (naja fast alle, Kinder, es gibt immer Bengel!). Deshalb gibt es auch total viele Möglichkeiten Essen zu gehen (ein portugiesischer Barkeeper hat uns mal in ein spezielles "Restaurant" gebracht. Es war mehr illegal als sonst was, bei Chinesen in der Wohnung. 
Man zahlt 5 Euro und bekommt dafür drei Gänge frisch gekochtes, übergeiles Essen (man beachte aber, dass ich kein Fleisch esse, keine Ahnung ob man dem trauen kann). Soll wohl der totale Geheimtipp für arme Studenten sein. Einen ziemlich treffenden Bericht über so ein Teil hat dieser junge Herr geschrieben: Der illegale Chinese )

Oh und noch was: Wenn ihr essen geht (portugiesisch), beachtet, dass man das Brot und die ganzen Tapas die einfach auf den Tisch gestellt werden, extra gezahlt werden müssen.



3) So Kulturmäßig kann ich leider nicht viel sagen. 
Erstens war ich mit zwei Männern im Urlaub deren Tourismus sich auf die einheimische Alkoholproduktion spezialisiert hatte und zweitens war ihnen der Ausblick von unserer Terrasse auf die Burg (drittes Bild) fast schon Wanderung genug. Was trotzdem echt dufte ist, ist ein Trip zur Jesus-Statue (der Supertourist nennt ihn Cristo del Rei) auf der anderen Seite. Wir haben zwar nach unserem 3 stündigen Fußmarsch durch die Pampa gemerkt dass auch ein Bus hoch gefahren wäre, aber immerhin sahen wir drei Stunden lang aus wie echte Forscher!Der Ausblick von da oben ist wirklich atemberaubend (glaubt mir, ich würde so ein romantisches Doofwort nie nutzen, aber schaut unten!) und auch Jesus der alte Riese ist ziemlich mächtig (tut mir leid, ich bin nicht gläubig. Ich will natürlich niemanden beleidigen, ich lebe doch in einer Welt der Harmonie und der rosa Einhörner!). Außerdem kommt man sich gleichzeitig vor wie in Rio de Janeiro (wegen Jesus) und San Francisco (wegen dem krassen Golden Gate Bridge Verschnitt), total absurd.

Anstatt 20 Euro für den überfüllten Touri-Sightseeing-Bus, lohnt es sich 2 Euro für die überfüllte Straßenbahn zu investieren. Die fährt nämlich durch ganz Lissabon und es sitzt mit etwas Glück jemand mit Reiseführer drin, der allen erzählt was draußen so abgeht (Sprache könnt ihr euch dann halt nicht aussuchen, aber pipapo was soll der Geiz!). Außerdem sind die Bahnfahrer der Brüller. Klappen ständig Seitenspiegel von parkenden Autos ein und Hupen was das Zeug hält. Natürlich alles bei offenen Türen und einer Geschwindigkeit von 30 km/h. Alles gleichzeitig, versteht sich.

    

4) Das einzige "Problem" an Lissabon ist, dass es nicht direkt am Meer liegt. Um an einen Strand zu kommen, muss man erstmal eine halbe Stunde Zug fahren (und sich wegen der Klimaanlage einen abfrieren..wieso stellen die die Teile immer auf 20 Grad bei einer Außentemperatur von 35?) nur um dann inmitten von pfeifenden und sabbernden Sunnyboys über den Strand zu stolzieren (okay, Theorie Nummer eins ist: Ich bin einfach unglaublich heiß. Theorie Nummer zwei: Es war eine Fata Morgana.
Jedenfalls ist der Strand echt voll). Weil der Atlantik auch noch arschkalt ist, habe ich es bevorzugt auf unserer Terrasse zu schwitzen. Außerdem gibt es noch den Téjo (Fluss, siehe oben). Auch voll schön zum entlanglaufen und Bierchen am Hafen trinken, reicht doch.


5) Was das Essen angeht.. nunja Kinder, sagen wirs mal so: Vegan is nich. 
Zwar gibt es im Supermarkt Sojamilch aber das wars dann auch. Auch beim Essen gehen hat man dann halt die Wahl zwischen Salat und... Salat oder Salat und als Beilage Salat. Also habe ich das gleich gelassen. 
Aber auch vegetarisch leben ist da gar nicht so leicht wie ich dachte, außer man isst nur Zuhause. Richtig viele Suppen und Gemüsegerichte werden mit tierischem Fett gemacht bzw. angebraten, ich musste wirklich genau nachfragen (mal ganz davon abgesehen, dass man angeschaut wird als wäre man der größte Dieter Bohlen Fan wenn man sagt man isst kein Fleisch).
In vielen Restaurants werden auch Schnecken angeboten (leckerlecker..nicht), mir eigentlich egal, wären da nicht die überaus visuell ansprechend gestalteten Werbebilder vor den Lokalen. Von Bildern mit sportlich aktiven Schnecken wurde ich täglich geplättet.

Macht euch ansonsten darauf gefasst, dass ihr täglich auf der Straße nach Essen gebeten werdet. Die wirtschaftliche Situation in Portugal ist nicht leicht und das merkt man vor allem, wenn man auf die Straße schaut. Es gibt wirklich viele Menschen dort, die kein Zuhause haben. Natürlich kann man nicht allen was geben, aber ich habe versucht jeden Tag wenigstens einem zu helfen. 
Es ist mir sowieso lieber, ich gehe mit den Leuten zu einem Stand und kaufe ihnen was zu essen (was echt nicht teuer ist in Lissabon, also Geiz ist echt fehl am Platz), als wenn ich ihnen Geld gebe und nicht weiß was sie damit kaufen. Die meisten Obdachlosen sind auch sehr höflich und nett und bedanken sich überschwänglich für die Hilfe.

Nun Kinder, soviel dazu..jetzt braucht ihr eh erstmal Zeit um eure Flüge zu buchen oder neiderfüllt die Bilder zu beäugen. Was auch immer ihr tut, habt Liebe im Herzen. Tschüss meine Flachlandtiroler!

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