Dienstag, 3. Februar 2015

Urlaubsparadies Italien - Nicht.

Bronte.
Was erstmal klingt wie euer Lieblingstürsteher ist in Wirklichkeit das Geburtsdorf von meinem Papa. Mitten im Nichts, umhüllt von Lava aus dem Etna und Pistazienbäumen, ist es der absolut lebende Beweis für die Wirtschaftskrise in Italien und bestätigt zudem auch noch alle (wirklich alle!!) Klischees, die man gegenüber Italienern so haben kann.
Kinder, selbst für mich als Südländerin ist die Mentalität manchmal ein wenig zu viel des Guten. Ich beschließe zwar immer darüber zu lachen, aber eigentlich  möchte man sich auch oft an den Kopf fassen.
Los gings mit dem spaßigen Thema Vegetarismus. Ich war so schlau, meiner Oma nichts von veganen Vorlieben zu erzählen, ich glaube das hätte ihr Weltbild komplett über den Haufen geworfen! Richtig schön lustig wars direkt in den ersten fünf Minuten - "Ich hab euch Fleischbällchen gekocht" "Omi, tut mir echt leid für die Mühe, aber ich esse kein Fleisch" "Ach, kein Problem, dann mach ich für dich eben Hühnchen!" - Klaro Oma, kann man ja mal vergessen, dass auch Hühner aus Fleisch bestehen.
Nachdem ich sie dann eine Woche lang davon überzeugt habe, dass ich wirklich gar kein Fleisch esse (auch nicht wenn sie es totaaal heimlich in der Bolognese-Soße zu verstecken versucht weil man "das Fleisch da ja gar nicht sieht" und das natürlich ethisch total vertretbar für mich ist), bekomme ich als Abschiedsgeschenk doch tatsächlich eine Salami. Ja Kinder, meine Oma hat einfach den fabelhaftesten Humor der Welt!
Insgesamt scheint das Leben da teilweise ein bisschen..naja sagen wir mal einfacher zu funktionieren. Nehmen wir als Beispiel mal einen kurzen Schwank aus dem Leben meiner Tante, 49 Jahre alt, seit zwei Jahren glücklich verheiratet. Okay, zugegebenermaßen hat das mit der Liebe ein wenig länger gedauert, aber hey, was lange währt wird endlich gut oder so, pipapo. Bevor sie ihren Herzbuben kennengelernt hat, hatte sie bestimmt schon andere Kerle und so genau möchte ich das auch gar nicht wissen, aber trotz festem Job in einer 50 km entfernten Stadt und Doktortitel (jawohl! Es gibt kluge Menschen in meiner Familie!), hat sie vor der Hochzeit nicht eine Sekunde lang überlegt von Zuhause auszuziehen. Ich meine wieso auch? Wer braucht denn schon mal ein eigenes Zimmer? (Ja richtig gelesen, mein Papa und seine drei Geschwister hatten nicht das Glück auch nur irgendeine Form von eigenem Raum zu besitzen, dazu ist das Haus meiner Omi einfach zu klein). Und glaubt mir, meine Tante ist da unten im Süden kein Einzelfall. 

Der absolute Knaller kommt aber noch: Sie wohnt jetzt mit ihrem Herzbuben in einem technisch ausgestattetem, wunderschönen Haus. Weil aber immer meine kleine, süße Oma ihre Wäsche mitgewaschen hat und nie einen Geschirrspüler hatte, weiß sie leider nicht wie diese unglaublich komplizierten Gerätschaften so funktionieren. Kann ja mal passieren. Dass sie aber, ohne jemals in die Gebrauchsanweisung zu schauen (hat sie mal dezent weggeworfen weil sie dachte es sei Verpackungsmaterial, is klar), einfach bei beiden Geräten auf den "Start" Knopf drückt, 10 Minuten wartet und aufgrund des ausbleibenden Wunders beschließt, die Teile würden nicht taugen, ist schon ein wenig lustig. 
Kein Thema, so selbstlos wie ich nun mal bin, habe ich ihr direkt beigebracht wie die Dinger so zu bedienen sind, ich bin ja technisch sowieso ziemlich das Genie, war ja klar dass sie da meine Hilfe gebraucht hat. Und siehe da - huch, das war ja nicht so schwer. Glückwunsch!
Kinder, ihr seht, das mit dem Traumurlaub im Süden hat sich wohl spätestens dann ausgeträumt, wenn man mal wirklich eine Weile bei einer italienischen Familie wohnt. Macht mir aber rein gar nichts aus, ich liebe es von ganzem Herzen meiner Omi fünf Mal am Tag zu erklären, dass auch in Mortadella Fleisch drin ist und meiner Tante dabei zuzusehen wie sie auch ohne zu wissen wie man Wäsche wäscht ein fabelhaft glückliches Leben lebt. Ich wünschte ich könnte euch Mützenmarcos mal ne Runde mitnehmen, ihr würdet euch kaputtlachen, schwöre!
        

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